Nausea und Erbrechen

 

Die Einteilung von Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen erfolgt nach zeitlichen Gesichtspunkten in die akute, die verzögerte und die antizipatorische Übelkeit und Erbrechen.
Akute Übelkeit und Erbrechen treten innerhalb der ersten 24 h nach Chemotherapie auf. Sie werden hauptsächlich durch Serotonin-Freisetzung verursacht. 
Verzögerte Übelkeit und Erbrechen, die 24h bis 5 Tage nach Chemotherapie auftreten, werden vor allem durch Substanz-P vermittelt. 
Antizipatorisches Erbrechen und Übelkeit treten nach erfolgter Chemotherapie auf - als Folge einer Konditionierung nach vorausgegangener Übelkeit und Erbrechen. Antizipatorisches Erbrechen ist medikamentös nicht gut behandelbar.175 

Das emetogene Potential der Chemotherapie gilt als Hauptrisikofaktor des Zytostatika-induzierten Erbrechens. Die Einteilung der Chemotherapeutika bezüglich ihres emetogenen Potentials erfolgt in vier Risikoklassen (1) hoch emetogen, 2) moderat emetogen, 3) gering emetogen, 4) minimal emetogen, s. unten). Die Kenntnis dieser Risikoklassen ist von Bedeutung, da die antiemetische Prophylaxe darauf basiert.175 Bei der Kombination verschiedener Chemotherapeutika ergibt sich kein additiver Effekt: Das Emesis-Risiko bei der Koadministration zweier gering emetogenen Chemotherapeutika bleibt also gering. 176 177
Individuelle Risikofaktoren des Erbrechens sind weibliches Geschlecht, Alter unter 35 Jahren, regelmässiger geringer Alkoholgenuss, vorbestehende Reisekrankheit, vorausgegangene Chemotherapie sowie vorbestehende Übelkeit.175

Verschiedene Anpassungen des Lebensstils können als allgemeine Massahmen helfen, Nausea und Emesis zu lindern. Dazu zählen auf häufigere, aber kleinere Mahlzeiten umzustellen, gesunde Lebensmittel zu wählen und raumtemperaturwarmes Essen einzunehmen. Den Gebrauch eines H2-Blockers oder eines Protonenpumpen-Hemmers kann man erwägen, um Dyspepsie, die Nausea imitieren kann, vorzubeugen. 178 

Gemäss NCCN-, MASCC- und ASCO-Leitlinien erfolgt die Antiemetikagabe prophylaktisch - auch in der verzögerten Phase - und entsprechend dem emetogenen Potenzial der Chemotherapie. Dabei ist das Zytostatikum mit dem höchsten emetogenen Potenzial ausschlaggebend. 

Die wichtigsten Empfehlungen der ASCO-Leitlinien:
  • Aktualisierte Empfehlung: Alle Patienten, die hoch emetogene Chemotherapien erhalten (einschließlich Anthracyclin plus Cyclophosphamid) sollten eine Dreierkombination angeboten werden, bestehend aus einem Neurokinin-1-Rezeptor-Antagonist, einem 5-Hydroxytryptamin-3 (5-HT3-Rezeptor-Antagonisten sowie Dexamethason. Die orale Kombination aus Netupitant und Palonosetron (NEPA) plus Dexamethason ist eine zusätzliche Behandlungsoption.

  • Der bevorzugte 5-HT3-Rezeptor-Antagonist für Patienten, die mäßig emetogene Chemotherapien erhalten, ist Palonosetron in Kombination mit einem Corticosteroid.

  • Die antiemetische Behandlung für Patienten, die eine Kombinationschemotherapie erhalten, sollte sich nach dem Chemotherapeutikum mit dem höchsten Grad des Emesis-Risikos richten.

  • Sowohl Dexamethason und 5-HT3-Rezeptor-Antagonisten werden für Patienten mit einer Hochdosis-Chemotherapie empfohlen.

  • Pädiatrische Patienten mit entweder stark oder mäßig emetogenen Chemotherapien sollten mit einem 5-HT3-Rezeptor-Antagonisten und Corticosteroiden behandelt werden; eine höhere gewichtsbezogene Dosierung kann erforderlich sein.

  • Für Patienten mit einer hoch emetogenen Strahlentherapie wird ein 5-HT3-Rezeptor-Antagonist vor jeder Fraktion sowie eine 5-Tage-Behandlung mit Dexamethason empfohlen.

  • Ein 5-HT3-Rezeptor-Antagonist vor jeder Fraktion wird auch vor einer moderat emetogenen Strahlentherapie empfohlen; eine 5-Tage-Behandlung mit Dexamethason ist optional.

  • Für Patienten, die eine Kombinationschemotherapie und Strahlentherapie erhalten, wird Antiemetikum Therapie durch die Emetogenität der Chemotherapie diktiert, es sei denn, die Emetogenität der Strahlentherapie ist höher.

Weiterführende Informationen, insbesondere detailliertere Behandlungsempfehlungen, können direkt den entspechenden Guidelines entnommen werden:

 

© Cancerdrugs GmbH, last update 18.02.2016.
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