Orale Wirkstoffe T

Tamoxifen / Nolvadex® sowie Generika

Tamoxifen - Nolvadex® sowie Generika: Tamoxifen Citrat ist das Citratsalz des antineoplastischen nichtsteroidalen selektiven Östrogenrezeptor-Modulators (SERM) Tamoxifen. Tamoxifen hemmt kompetitiv die Bindung von Östradiol an die Östrogenrezeptoren, wodurch die Bindung des Rezeptors zum Östrogen-Response-Element auf der DNA verhindert wird. Das Ergebnis ist eine Verringerung der DNA-Synthese und Zellreaktion auf Östrogen. Zusätzlich wird die Herstellung von transformierendem Wachstumsfaktor B (TGFb) durch Tamoxifen heraufreguliert. Dieser Faktor hemmt das Wachstum von Tumorzellen und vermindert die Expression des insulinähnlichen Wachstumsfaktors 1 (IGF-1), ein Faktor, der das Zellwachstum von Brustkrebs fördert . Tamoxifen vermindert auch dosisabhängig die Expression der Proteinkinase C (PKC), wodurch  die Signaltransduktion gehemmt wird, was eine antiproliferative Wirkung in Tumoren wie dem malignem Gliom und anderen Krebsarten hat, die PKC überexprimieren.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten gemäss Arzneimittel-Kompendium der Schweiz®:

  • Adjuvante Therapie des Mammakarzinoms, palliative Therapie des metastasierten oder lokal fortgeschrittenen Mammakarzinoms.
 
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Temozolomid - Temodal® und Generika

Temozolomid - Temodal® und Generika sind Triazen Analoga von Dacarbazin mit einer antineoplastischen Aktivität. Als zytotoxisches Alkylierungsmittel wird Temozolomid bei physiologischem pH zur kurzlebigen aktiven Verbindung Monomethylether Triazen-Imidazol Carboxamid (MTIC) umgewandelt. Die Zytotoxizität von MTIC ist vor allem auf die Methylierung von DNA an den Positionen O6 und N7 von Guanin zurückzuführen, was zur Hemmung der DNA-Replikation führt. Im Gegensatz zu Dacarbazin, das nur in der Leber zu MITC metabolisiert wird, kann Temozolomid an allen Standorten zu MITC metabolisiert werden. Temozolomid passiert auch in das zentrale Nervensystem. 

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten gemäss Arzneimittel-Kompendium der Schweiz®:

Temodal ist indiziert zur Behandlung von:

  • neu diagnostiziertem Glioblastoma multiforme in Kombination mit Radiotherapie und anschliessend als Maintenance-Therapie
  • rezidivierenden malignen Gliomen wie Glioblastoma multiforme und anaplastischem Astrozytom.
 

 

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Thalidomid - Talidomid Celgene (EMEA zugelassen)

Thalidomid ist ein synthetisches Derivat von Glutaminsäure (alpha-phthalimido-Glutarimid) mit teratogenen, immunmodulierenden, entzündungshemmenden und anti-angiogenetischen Eigenschaften. Thalidomid wirkt primär durch die Hemmung sowohl der Produktion von Tumor-Nekrose-Faktor alpha (TNF-alpha) in stimulierten peripheren Monozyten und durch die Hemmung der Aktivität der Interleukine und Interferone. Dieses Mittel hemmt auch die polymorphkernige Chemotaxis sowie die monozytäre Phagozytose. Außerdem hemmt Thalidomid pro-angiogenen Faktoren, wie den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor (VEGF) und den basischen Fibroblastenwachstumsfaktor (bFGF), wodurch die Angiogenese gehemmt wird.

 
 
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Informationen von Cancerdrugs

Das Wichtigste in Kürze

 

Sehr häufige unerwünschte Wirkungen (≥ 10%):

(in Kombination mit Prednison und Mephalan):

Blut- und LymphsystemNeutropenie (42%), Leukopenie (25,8%), Anämie(13,7%), Lymphopenie (12,1%), Thrombozytopenie (11,3%).
Nervensystem (abnehmender Schweregrad): periphere sensorische Neuropathie, Tremor, Schwindel, Parästhesie, Dysästhesie, Somnolenz.
Gastrointestinale StörungenObstipation.
Allgemeine Störungen: periphere Ödeme.

Die klinisch wichtigsten Nebenwirkungen von Thalidomid (in Kombination mit Melphalan und Prednison oder Dexamethason): tiefe Venenthrombosen und pulmonale Embolie, periphere Neuropathie, schwere Hautreaktionen einschliesslich Stevens-Johnson-Syndrom und toxisch epidermaler Nekrolyse, Synkope, Bradykardie und Schwindel.


Interaktionen
  • Thalidomid kann die sedative Wirkung von Alkohol und anderen Arzneistoffen verstärken (BarbiturateChlorpromazinResepin).
  • Thalidomid intensiviert die Wirkung von MorphinderivatenBenzodiazepinen, anderen AnxiolytikaHypnotikasedativen AntidepressivaNeuroleptikasedativen H1-Antihistaminikazentralen Antihypertensiva und Baclofen.
  • Vorsicht bei der Gabe von Thalidomid in Kombination mit Arzneimitteln, die Schläfrigkeit verursachen.
  • Vorsicht bei der Kombination mit Arzneimitteln, die mit dem Auftreten einer peripheren Neuropathie vergesellschaftet sind. Die Koadministration mit ZalcitabinVincristin und Didanosin birgt ein erhöhtes Risiko für periphere Neuropathien.
  • Vorsicht bei Arzneimitteln, die wie Thalidomid das Potenzial haben, Bradykardien zu verursachen, z.B. Beta-BlockerCholinesterase-Inhibitoren oder Medikamente, die Torsade-de-pointes-Tachykardien verursachen.
  • Bei der zeitgleichen Gabe von Doxorubicin besteht ein erhöhtes Risiko für Thrombosen und thromboembolische Ereignisse.
  • Thalidomid weist keine Wechselwirkungen mit hormonellen Kontrazeptivaauf. Die Anwendung von kombinierten hormonellen Kontrazeptiva wird aber wegen des erhöhten Risikos für venöse thromboembolische Ereignisse nicht empfohlen.
  • Aufgrund des erhöhten Thromboserisikos bei Krebspatienten und wegen eines potenziell beschleunigten Metabolismus von Warfarin bei gleichzeitiger Einnahme mit Kortikosteroiden, ist eine engmaschige Kontrollen der INR-Werte bei der Kombinationstherapie von Thalidomid und Prednison sowie während der ersten Wochen nach Therapieende empfohlen.
  • Bei gesunden männlichen Probanden wies Thalidomid keine Wechselwirkungen mit Digoxin auf. Es gibt dazu jedoch keine Studien bei PatientInnen mit multiplem Myelom.

Red flags
  • Dosisänderung, Unterbruch oder Abbruch der Therapie immer erst nach Rücksprache mit dem behandelnden Onkologen.
  • Tritt ein Hautausschlag auf, ist die Therapie abzubrechen (Fälle tödlich verlaufender Hautreaktionen inklusive Stevens-Johnson-Syndrom).
  • Im Falle eines positiven Schwangerschaftstests die Behandlung unverzüglich abbrechen (wegen schweren Missbildungen oder Tod des ungeborenen Kindes unter Thalidomid).
  • Die Neuropathie ist eine häufige Nebenwirkung unter Thalidomid. Bei Verdacht auf eine Neuropathie klinisch-neurologische und elektroneurographische Untersuchung indizieren. Bestätigt sich der Befund, muss die Therapie meist abgebrochen werden.

Informationen im Detail

Indikation

Thalidomid ist in der Schweiz nicht zugelassen.
Seit 1998 ist Thalidomid in den USA registriert. In Europa steht es seit 2001 als sogenanntes Arzneimittel für seltene Leiden (Orphan-Arzneimittel) in Kombination mit Melphalan und Prednison für die Erstlinienbehandlung des multiplen Myeloms, für PatientInnen > 65 Jahren bzw. wenn eine hochdosierte Chemotherapie nicht in Frage kommt, zur Verfügung. Die Anwendung in der Schweiz wird über das Heilmittelgesetz (HMG) (Art. 9 Abs. 4) geregelt.

Dosierung

Die empfohlene orale Dosis beträgt 200 mg pro Tag. Dabei sollten maximal 12 Zyklen von jeweils 6 Wochen gegeben werden.
Thalidomid kann unabhängig von der Nahrungsaufnahme eingenommen werden. Um die Auswirkungen von Somnolenz zu reduzieren, sollte Thalidomid als Einzeldosis vorzugsweise vor dem Schlafengehen geschluckt werden.
Die Kapsel darf nicht zerbrochen oder zerkaut werden. Eine vergessene Dosis kann innerhalb von 12 Stunden sofort eingenommen werden, danach sollte auf das Nachholen der Einnahme verzichtet werden.

Dosisanpassungen: Für ältere PatientInnen werden keine spezifischen Dosisanpassungen empfohlen. Die Anwendung von Thalidomid wird bei Kindern unter 18 Jahren nicht empfohlen, da die Sicherheit für diese Personengruppe nicht belegt ist.
Der Gebrauch von Thalidomid wurde bei PatientInnen mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion nicht speziell untersucht und es sind keine speziellen Dosierungsempfehlungen bekannt. Die Titrierung der Dosis muss somit in Abhängigkeit der beobachteten Toleranz und Toxizität erfolgen.

Handelsform

Hartkapseln zu 50 mg.

Kontraindikation

Schwangerschaft und gebärfähige Frauen, es sei denn, alle Bedingungen des Schwangerschaftsverhütungsprogramms sind erfüllt. Patienten, welche die erforderlichen Verhütungsmassnahmen nicht anwenden können oder wollen. Überempfindlichkeit gegenüber Thalidomid oder einem der Hilfsstoffe. 

Vorsichtsmassnahmen

Thalidomid wirkt beim Menschen hochgradig teratogen und führt in hohem Masse zu schwerwiegenden und lebensbedrohlichen Missbildungen. Deshalb ist Thalidomid während der Schwangerschaft kontraindiziert, es sei denn, alle Bedingungen des Schwangerschaftsverhütungsprogramms sind erfüllt. Ein Schwangerschaftstest muss vor der Behandlung durchgeführt und danach alle 4 Wochen, einschliesslich 4 Wochen nach Abschluss der Behandlung, wiederholt werden. Im Falle eines positiven Schwangerschaftstests muss die Behandlung unverzüglich abgebrochen werden. Jeder Fall einer Patientin mit einem positiven Schwangerschaftstest muss unverzüglich dem Swiss Teratogen Information Service gemeldet werden. 
Thalidomid ist im Sperma männlicher Patienten vorhanden. Deshalb müssen sie während der ganzen Behandlungsdauer, inklusive Behandlungsunterbrüchen und einer Woche nach Abschluss der Behandlung, bei jedem Geschlechtsverkehr mit einer gebärfähigen Frau, die keine zuverlässige Verhütungsmethode anwendet oder schwanger ist, ein Kondom benützen.
Falls bei einer Partnerin eines männlichen Patienten, der Thalidomid einnimmt, eine Schwangerschaft eintritt, muss dies sofort dem Swiss Teratogen Information Service gemeldet werden.
Während der Behandlung und eine Woche danach dürfen die Patienten kein Blut oder Sperma spenden.

Die PatientInnen sollten auf Folgendes überwacht werden: thromboembolische Ereignisse, periphere Neuropathie, Ausschlag/Hautreaktionen, Bradykardie, Synkope und Somnolenz. Je nach beobachteter Toxizität gemäss NCI-CTC-Kriterien kann eine Dosisverzögerung, eine Dosisreduktion oder ein Behandlungsabbruch erforderlich sein.

Thromboembolische Ereignisse:
Mindestens während der ersten 5 Monate der Behandlung sollte insbesondere bei PatientInnen mit weiteren thrombogenen Risikofaktoren eine Thromboseprophylaxe mit niedermolekularen Heparinen oder Warfarin durchgeführt werden. Dabei sollte der Entscheid zur Thromboseprophylaxe bei jedem Patienten / jeder Patientin individuell nach einer sorgfältigen Bewertung der zugrundeliegenden Risikofaktoren getroffen werden. Falls bei einem Patienten / einer Patientin ein thromboembolisches Ereignis auftritt, ist die Behandlung zu unterbrechen und eine adäquate Antikoagulation einzuleiten. Die Thalidomid-Behandlung kann nach Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses mit der ursprünglichen Dosis wiederaufgenommen werden, sobald der Patient / die Patientin unter der Antikoagulationsbehandlung stabilisiert ist und allfällige Komplikationen des thromboembolischen Ereignisses behandelt wurden. 

Periphere Neuropathie ist eine häufige Nebenwirkung unter Thalidomid. Diese tritt im Allgemeinen nach chronischer Anwendung über mehrere Monate auf, vereinzelt wurde jedoch auch bereits nach kurzzeitiger Thalidomid-Anwendung von solchen Fällen berichtet. Vor geplanter Langzeitbehandlung sollten daher eine klinisch-neurologische Untersuchung und eine Elektroneurographie veranlasst und danach in sechsmonatigen Abständen wiederholt werden. Ist eine solche Untersuchung nicht möglich, sollte zumindest eine regelmässige klinische Beurteilung erfolgen. Zudem sollte der Arzt den Patienten / die Patientin instruieren, das Auftreten von Kribbeln, Taubheitsgefühl und Parästhesie zu melden. Zusätzlich sollte der Patient / die Patientin monatlich befragt und auf klinische Anzeichen einer peripheren Neuropathie untersucht werden. Bei Verdacht auf eine periphere Neuropathie sind eine klinisch-neurologische Untersuchung und eine Elektroneurographie indiziert. Bestätigt sich der Befund, muss die Dosis modifiziert oder die Therapie nach sorgfältigem Abwägen von Nutzen und Risiko einer Weiterbehandlung abgebrochen werden.

Dosismodifikationen aufgrund peripherer Neuropathie:

Schweregrad der Neuropathie Modifikation der Dosis
Grad 1 (Parästhesie, Schwäche und/oder Verlust von Reflexen) ohne Funktionsverlust

Überwachen durch weitere klinische Untersuchungen. Bei Verschlechterung der Symptomatik ist eine Reduktion der Dosis in Betracht zu ziehen. Wobei eine Dosisreduktion nicht zwingend mit einer Verbesserung der Symptome einhergeht.

 

Grad 2 (funktions-, aber
nicht die Alltagsaktivität
beeinträchtigend)

Dosis reduzieren oder Behandlung unterbrechen und den Patienten / die Patientin durch weitere klinische und neurologische Untersuchungen überwachen. Sollte sich keine Besserung einstellen oder eine weitere Verschlechterung der Neuropathie auftreten, ist die Behandlung zu unterbrechen. Bei einem Abklingen der Neuropathie auf Grad 1 oder besser kann die Behandlung je nach Nutzen-Risiko-Abwägung wieder aufgenommen werden.

 

Grad 3 (die Alltagsaktivität beeinträchtigend)

 

Behandlung abbrechen.

 

Grad 4 (behindernde Neuropathie) Behandlung abbrechen.



Thalidomid kann eine möglicherweise irreversible Neuropathie verursachen oder eine bestehende Neuropathie potenziell verschlimmern. Daher sollte es nicht bei PatientInnen mit klinischen Zeichen oder Symptomen einer peripheren Neuropathie angewendet werden, es sei denn, der klinische Vorteil überwiege die Risiken.

Aufgrund der verstärkten sedierenden Wirkung von Alkohol wird empfohlen, vollständig auf alkoholische Getränke zu verzichten. Ferner müssen die PatientInnen instruiert werden, Situationen zu meiden, in denen Schläfrigkeit zu Problemen führen kann (Führen von Fahrzeugen, Bedienen von Maschinen etc.). Zusätzlich sollten sie auf die Einnahme sedierender Medikamente verzichten. Die PatientInnen sollten sorgfältig beobachtet werden, da eine Dosisanpassung erforderlich sein könnte.

Thalidomid kann zu Schwindel und orthostatischer Hypotonie führen. Die PatientInnen sollten deshalb angewiesen werden, einige Minuten aufrecht zu sitzen, bevor sie sich aus liegender Position erheben.

Leukozytenzahl und Differential-Blutbild sollten während der Therapie regelmässig überwacht werden.
Aufgrund des erhöhten Risikos zur Entwicklung einer Neutropenie unter Thalidomid sollte bei PatientInnen mit einer Neutrophilenanzahl unter 7,5 G/l nicht mit der Therapie begonnen werden bzw. die Behandlung erneut beurteilt und allenfalls beendigt werden. 

Weil Fälle von Hypothyreose auftraten, sollte die Schilddrüsenfunktion während der Behandlung überwacht werden.

Bei PatientInnen mit neoplastischen Erkrankungen wird Thalidomid mit einem erhöhten Risiko tiefer Venenthrombosen in Verbindung gebracht. Die höchste Rate von tiefen Venenthrombosen trat in Kombination mit Doxorubicin auf. Bei PatientInnen mit erhöhtem Thromboserisiko oder mit thrombogenem Potenzial sollte eine niedrig dosierte Antikoagulation in Betracht gezogen werden. 

PatientInnen sollten hinsichtlich des Auftretens von Synkopen und Bradykardienkontrolliert werden. Gegebenenfalls kann eine Dosisreduktion oder ein Abbruch der Behandlung erforderlich sein.
Tritt unter Thalidomid ein Hautausschlag auf, sollte die Therapie unterbrochen werden, da Fälle von tödlich verlaufenden Hautreaktionen inklusive Stevens-Johnson-Syndrom auftraten. Eine erneute Exposition führte in einigen Behandlungsgruppen zu schweren Sofortreaktionen mit Fieber, Tachykardie, Hypotonie und Hautausschlag. Deshalb sollte bei Status nach exfoliativem, purpurischem oder bullösem Hautausschlag, nach Stevens-Johnson-Syndrom oder toxischepidermaler Nekrolyse Thalidomid nicht wieder verabreicht werden.

7 Tage vor einer Operation sollte Thalidomid nicht eingenommen werden, da die antiangiogenen Eigenschaften die Wundheilung beeinträchtigen könnten.

Obwohl Krampfanfälle unter Thalidomid-Einnahme in klinischen Studien nicht aufgetreten sind, wurde von derartigen Fällen im klinischen Alltag berichtet. Wobei die meisten dieser PatientInnen an Erkrankungen litten, die einen epileptischen Anfall begünstigten. Die Überwachung von PatientInnen mit anamnestischer Epilepsie oder mit epileptogenen Risikofaktoren, die Thalidomid einnehmen, wird empfohlen. 

Die Kapseln enthalten Lactose. PatientInnen mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz, Lapp-Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten dieses Arzneimittel nicht einnehmen.

Unerwünschte Wirkungen

Sehr häufig (≥ 10%) (in Kombination mit Prednison und Mephalan): Neutropenie, Leukopenie, AnämieLymphopenieThrombozytopenie, Erkrankungen des Nervensystems, periphere sensorische Neuropathie, Tremor, Schwindel, Parästhesie, Dysästhesie, Somnolenz, Obstipation, periphere Ödeme

Häufige (1 bis <10%) unerwünschte Wirkungen
Infektionen: Pneumonie.
Psychiatrische Störungen: Verwirrtheit, Depression.
Nervensystem: Koordinationsstörungen.
Herz: Herzinsuffizien, Bradykardie.
Gefässe: Tiefe Venenthrombose.
Atemungsorgane: Lungenembolie, interstitielle Lungenerkrankung, Bronchopneumopathie, Dyspnoe.
Gastrointestinale Störungen: Erbrechen, Mundtrockenheit.
Haut und Unterhautgewebe: Toxische Hauteruption, Hautausschlag, trockene Haut.
Allgemeine Störungen: Fieber, Asthenie, Unwohlsein.

 

Zusätzlich zu den oben aufgeführten Nebenwirkungen führte die Behandlung mit Thalidomid in Kombination mit Dexamethason in weiteren klinischen Studien häufig zu den folgenden häufigen Nebenwirkungen: transientes ischämisches Ereignis, Synkope, Vertigo, Hypotonie, Stimmungsschwankungen, Ängstlichkeit, unscharfes Sehen, Übelkeit und Dyspepsie sowie zu den folgenden gelegentlichen Nebenwirkungen: zerebrovaskuläres Ereignis, Divertikelperforation, Peritonitis, orthostatische Hypotonie und Bronchitis.

Zu den klinisch wichtigsten Nebenwirkungen von Thalidomid in Kombination mit Melphalan und Prednison oder Dexamethason gehören: tiefe Venenthrombosen und pulmonale Embolie, periphere Neuropathie, schwere Hautreaktionen einschliesslich Stevens-Johnson-Syndrom und toxisch epidermaler Nekrolyse, Synkope, Bradykardie und Schwindel.
Zusätzlich zu den oben aufgeführten Nebenwirkungen führte die Behandlung mit Thalidomid in Kombination mit Dexamethason in weiteren klinischen Studien sehr häufig zu Müdigkeit.
Ferner wurden unter Thalidomid auch das Auftreten von Thrombophilie, Hypersensitivitäts-Exanthem, Hypothyreose, Orthostase, Darmobstruktion und sexuelle Dysfunktion verzeichnet. 

Relevante aktuelle Information zu Nebenwirkungen in der Literatur

Neuere antineoplastische Substanzen sind mit Thyroidea-Dysfunktionassoziiert. Dazu zählen Tyrosinkinase-Inhibitoren, Thalidomid, Lenalidomid, Bexaroten, Radiojod-Therapie, Denileukin Diftitox, Alemtuzumab, Interferon-alpha, Interleukin-2, Ipilimumab und Tremelimumab. Aufgrund der Komplexität des klinischen Bildes bei Tumorpatienten können die Symptome der Thyroidea-Dysfunktion irrtümlicherweise auch der Tumorerkrankung zugeordnet oder als Nebenwirkung der Antitumortherapie interpretiert werden. Deshalb sind Thyroidea-Dysfunktionen bei Tumorpatienten gerne unterdiagnostiziert, was die Lebensqualität der Patienten vermindert, schlimmstenfalls sogar zu Dosisreduktion der Antitumortherapie führen kann. Die Diagnose des Hypothyreoidismus ist mit bezahlbaren spezifischen Tests einfach und die Therapie bei den meisten Patienten unkompliziert. Deshalb empfehlen wir Patienten unter oben genannten Therapien routinemässig auf Thyroidea-Dysfunktion zu testen. 42

Interaktionen

Thalidomid kann die sedative Wirkung von Alkohol und anderen Arzneistoffen verstärken (BarbiturateChlorpromazinResepin). Ferner intensiviert es die Wirkung von Morphinderivaten, Benzodiazepinen, anderen Anxiolytika,Hypnotika, sedativen Antidepressiva, Neuroleptika, sedativen H1-Antihistaminika, zentralen Antihypertensiva und Baclofen. 

Die Gabe von Thalidomid in Kombination mit Arzneimitteln, die Schläfrigkeit verursachen, sollte mit Vorsicht erfolgen.
Besondere Vorsicht gilt bei der Kombination mit Arzneimitteln, die mit dem Auftreten einer peripheren Neuropathie vergesellschaftet waren. Die Koadministration mit Zalcitabin, Vincristin und Didanosin birgt ein erhöhtes Risiko für periphere Neuropathien.

Aufgrund des Potenzials von Thalidomid, Bradykardie zu verursachen, sollten Arzneimittel, welche die gleiche pharmakodynamische Wirkung besitzen, wie z.B. Beta-Blocker, Cholinesterase-Inhibitoren oder Medikamente, die Torsade-de-pointes-Tachykardien verursachen, nur mit Vorsicht angewandt werden.
Ein erhöhtes Risiko für Thrombosen und thromboembolische Ereignisse wurde bei der zeitgleichen Gabe von Doxorubicin beobachtet.

Thalidomid weist keine Wechselwirkungen mit hormonellen Kontrazeptiva auf. Allerdings wird die Anwendung von kombinierten hormonellen Kontrazeptiva aufgrund des erhöhten Risikos für venöse thromboembolische Ereignisse nicht empfohlen.

Die Gabe mehrerer Dosen von Thalidomid hatte bei gesunden Freiwilligen keine Auswirkungen auf die International Normalized Ratio (INR). Jedoch werden aufgrund des erhöhten Thromboserisikos bei Krebspatienten und wegen eines potenziell beschleunigten Metabolismus von Warfarin bei gleichzeitiger Einnahme von Kortikosteroiden engmaschige Kontrollen der INR-Werte unter der Kombinationstherapie mit Thalidomid und Prednison sowie während der ersten Wochen nach Therapieende empfohlen.

Thalidomid wies bei gesunden männlichen Probanden keine Wechselwirkungen mit Digoxin auf. Es ist nicht bekannt, ob dies bei PatientInnen mit multiplem Myelom anders sein wird.

Reverenzen: 9, 10
 
© Cancerdrugs GmbH, last update 24.02.2016.
Wichtiger Hinweis: Diese Informationen sind ausschliesslich für medizinische Fachpersonen
bestimmt. Konsultieren Sie bitte vor einer Verschreibung die vollständige Fachinformation. Nutzungsbestimmungen.
Topotecan - Hycamtin®
Topotecan - Hycamtin® ist das Hydrochloridsalz eines semisynthetischen Derivats von Camptothecin mit antineoplastischer Aktivität. Während der S-Phase des Zellzyklus stabilisiert Topotecan selektiv die Topoisomerase-I-DNA-kovalenten Komplexe. Damit inhibiert es die Religation von Topoisomerase vermittelten einsträngigen DNA-Brüchen und produziert potentiell tödliche Doppelstrang-DNA-Brüche-I, sobald diese Komplexe durch die DNA-Replikationsmaschinerie angetroffen werden. Camptothecin ist ein zytotoxisches Chinolin-basierts Alkaloid, das aus dem asiatischen Baum Camptotheca acuminata extrahiert wird.
 
Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten gemäss Arzneimittel-Kompendium der Schweiz®:
Intravenös:
  • Second-Line Therapie des kleinzelligen Bronchialkarzinoms bei Versagen oder Rezidiv nach primärer Chemotherapie mit einem aktuell etablierten Schema.
  • Behandlung des metastasierenden Ovarialkarzinoms nach fehlendem Erfolg der Primär- oder Folgetherapie.
  • Behandlung in Kombination mit Cisplatin von Patientinnen mit histologisch bestätigtem, rezidivierendem, persistentem oder Stadium IV-B Zervixkarzinom, wenn eine Behandlung mittels Operation und/oder Strahlentherapie nicht in Frage kommt.
Oral: 
  • Hycamtin-Kapseln können zur palliativen Therapie bei rezidiviertem kleinzelligem Bronchialkarzinom mit extensive disease angewendet werden, wenn eine nochmalige i.v. Chemotherapie nicht angezeigt ist.
 
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Trametinib - Mekinist®

Trametinib - Mekinist® ist ein oral bioverfügbarer Inhibitor der MAP-Kinase-Kinase (MEK MAPK/ERK-Kinase) mit einer potentiellen antineoplastischen Aktivität. Trametinib bindet spezifisch und hemmt MEK 1 und 2, was zu einer Hemmung der Wachstumsfaktor-vermittelten Zellsignalisierung und Zellproliferation in verschiedenen Krebsarten führt. MEK 1 und 2 - Threonin/Tyrosin-Kinasen von dualer Spezifität - sind häufig in verschiedenen Krebs-Zelltypen heraufreguliert und spielen eine Schlüsselrolle bei der Aktivierung des RAS/RAF/MEK/ERK-Signalweges, der das Zellwachstum reguliert.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten gemäss Arzneimittel-Kompendium der Schweiz®:

  • Trametinib in Kombination mit Dabrafenib ist angezeigt zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit nicht resezierbarem oder metastasiertem Melanom mit einer BRAF-V600-Mutation (V600E/K).
 
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Information des Médicaments: Info prof. Info patient
Informazione sul medicamento: info per il paziente
 
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MAP-Kinase-Weg